Dunkirk

Dunkirk Review - Movie Game HD

Dunkirk – Movie-Game-HD Review:

Pkt.: 7,8/10

„Wer erwartet, Erwartungen erfüllen zu müssen, erwartet auch die eine oder andere Enttäuschung…“ – ausgedacht, 05.08.2017

Mit der Zeit ist das so eine Sache. Für normale Menschen verläuft sie linear, doch Cineasten wissen es in Wahrheit besser. Filme. Sie erlauben es jede noch so fantastische Welt zu erschaffen, Irreales real erscheinen zu lassen und dabei immer die Gültigkeit alles Bestehenden in Frage zu stellen. Sie umgehen Naturgesetze, jeden Moralkodex, Religionen und zumeist auch jedweden Glauben an die eine, die perfekte Welt. Alles ist also möglich. Genauso auch bei den Werken von Christopher Nolan (Batman: The Dark Knight, Interstellar Movie).

Nolan ist derzeit jenes Ausnahmetalent, das es schafft, jede noch so verzwickte Geschichte zugleich ruhig wie auch mitreißend in Szene zu setzen. Sowohl große Panoramaaufnahmen, in denen erschöpfte Titelhelden ihrem unausweichlichen Schicksal entgegenblicken, ein schlichter, jedoch thematisch, substantiell perfekt durchorganisierter Soundtrack als auch emotional packende Charaktere gelten als die Markenzeichen eines der begabtesten Künstlers unserer Zeit. Und ganz klar, Dunkirk ist diesbezüglich ein neuer Meilenstein für die Filmgeschichte. Technisch ein Meisterwerk, keine Frage. Allein die Soundkulisse ist so überwältigend, erzählt beinahe eine eigene Geschichte in der Geschichte, dass allein sie jedes Kinoticket wert ist. Komplettiert wird das ganze durch die ständig adrenalinfördernden, seicht-aufstimmenden Musikeinlagen seitens Hans Zimmer. So intensiv, dass sich einem die Nackenhaare aufstellen. Wahnsinn.

Da ist es geradezu schade, dass man, über die Slogan der Werbebanner hinaus, kaum neue inhaltliche Informationen transportiert. Denn auch wenn dem Zuschauer Sage und Schreibe ganze drei Handlungsstränge parallel präsentiert werden, die am Ende zu einer Speerspitze des Geschehens zusammenlaufen, wird über die Figuren und auch das geschichtliche Mahmal wenig bekannt. Man kann darüber streiten, ob das Fernbleiben deutscher Soldaten, einer tiefergehenden Beschreibung der agierenden Figuren, eines kleinen Tropfen Blutes oder gar einer inhaltlich füllenden Erzählweise aufgrund des hohen, geschichtlichen Hintergrunds negativ angehaftet werden kann oder man das Ganze eher als einen raffinierten Trick einer gelungenen, monumentalen Momentaufnahme feiern sollte. Das muss der Zuschauer für sich selbst entscheiden. Wir können uns da innerhalb dieser Bewertung nicht wirklich festlegen.

Was wir aber sagen können ist, dass der Film im Kino ein brachiales Erlebnis ist. Auch wenn gefühlt nicht viel geschieht, geschieht es doch mit solch einer Intensität, dass man niemals die Augen abwenden möchte. Nolan liefert einen spannenden Film, der sich mit knapp 100 Minuten zwar kurz liest, aber sich niemals so anfühlt. Man steigt sofort ein, wird gefesselt, wird unterhalten und nachdenklich gestimmt. Man ist einfach mittendrin. Bis zu jenem Moment am Ende, an dem man widerwillig aus einem zuvor packenden Szenario gerissen wird und sich des Faktors „das ist nur ein Film“ sofort schlagartig bewusst wird. Nicht durch das Erhellen des Kinosaals, nicht durch das dunkle Schwarz des Abspanns. Nein. Es sind die wenigen letzten Minuten davor, die etwas eher unpassend, nein, gar gänzlich fehlplatziert daherkommen. (Achtung, Spoiler zum Ende). Der Moment, in dem sich eine einzelne Messerschmitt Bf 109 auf ca. 100.000 flüchtige Soldaten zubewegt und, dem Gesicht des Führungsoffiziers zufolge, den ganzen Krieg für sich entscheiden und die Wende für die deutschen Streitkräfte bringen wird. Wir mussten schon etwas lachen, wie viele Hände der Zuschauer über die Gesichter geschlagen wurden, als dann noch im direkten Anschluss ein spritloses, britisches Flugzeit im Segelflug das damals wendigste Flugzeug der Welt kurz vor dem sicheren Absturz präzise mit der Maschinenpistole abschießt und so den Strand schlussendlich doch vor dem „sicheren“ Untergang bewahrt. Es wurde im Kinosaal gelacht, stellenweise bricht unter den Leuten Empörung aus, was das jetzt ausgerechnet am Ende, nach solch einer glanzvollen, realistischen Darbietung, tatsächlich noch aussagen sollte. War das nun Pathos? War es nur ein Fehlgriff? Eine Hommage an die Unverwüstlichkeit eines Tom Hardy? Wir zumindest fanden es mehr als peinlich und hat zumindest uns in unserem Endeindruck stark negativ beeinflusst.

Fazit: Ein innovatives, technisch genial inszeniertes Werk, dass die Schicksale einiger Weniger gut in den Mittelpunkt rückt, aber leider vieles des drum-herum unberücksichtigt lässt. Ohne den Informationsgehalt der Werbesprüche (Evakuierung von 400.000 Soldaten, mehr erfährt man eigentlich nicht) hätte die Handlung in jedem Kriegsszenario Platz finden können, was somit keinen wirklichen Bezug zu diesem einen wirklichen Ereignis oder dem Ort Dünkirchen zulässt. Trotzdem lieben wir den Film für seine gelungenen Schritte in Richtung subtilem, audiovisuell anspruchsvollem Storytelling, der wie kein anderer Film mit nur wenigen Dialogen verdammt gut auskommt und vieles mit seinen Bildern in Bewegung hält. Doch mit Verlassen des Saals bleibt irgendetwas unerfüllt. Wir hatten das Gefühl, dass etwas fehlt. Eine letzte Note, ein haftender Gedanke. Vielleicht braucht dieser noch etwas Zeit. Eine Zweitsichtung im heimischen Wohnraum. Mindestens ein bis zwei Oscars. Aber mit der Zeit ist das ja bekanntlich immer so eine Sache.

So, zu den Einzelwertungen:

Darstellerleistung: 10/10
Charakterzeichnung: 6/10
Story: 6/10
Spannung: 9/10
Humor: -/10
Effekte: 10/10
(Sound: 10/10)
Härtegrad: 4/10
Setting: 10/10
Soundtrack: 10/10
Twist-Rating: 3/10

Rundum: 7,8/10 Punkten

HaVe FuN

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