
Guardians of the Galaxy – Vol. 2 – Movie-Game-HD Review:
Pkt.: 7,0/10
Vorab: Mehr Humor, weniger Tiefe. Ein Action-Overkill, der zum Ende, nüchtern betrachtet, hinter seinem Vorgänger zurückbleibt.
James Gunn trägt viel dazu bei, dass mit Guardians of the Galaxy 2 eine etwas andere Helden-Geschichte in dem kunterbunten Marvel-Universum die notwendige Anerkennung und Beachtung zukommt. Denn das Gespann bestehend aus einer Vielzahl unterschiedlicher Charaktere und Intelligenzquotienten nagt sich auch im Jahr 2017 in altbewährter Manier von einem Abenteuer ins Nächste. Allzeit bereit für flotte Sprüche und gespickt mit interpersonellen Konflikten, die das Universum ständig sowie unaufhörlich in wilden Aufruhr versetzt und nichts als pures Chaos zurücklässt. Ja, das sind waren und das sind die Guardians wie wir sie lieben und kennen. Und das altbewährte Rezept aus einer gehörigen Portion Humor und ohrenbetäubenden Krawalleinlagen, welches dem ersten Teil schon die richtige Würze gegeben hatte, geht nun ein weiteres Mal für die Zuschauer auf… zumindest vorerst.
Denn leider muss man schon sehr früh ernüchternd feststellen, dass die Guardians (GotG) in ihrem neuen Abenteuer leider inhaltlich etwas stark haben federn lassen. Angefangen bei Papa Peter Quill (aka Star-Lord), der als allmächtiges Wesen, gar als ganzer Planet, daherkommt und aus dem anfangs noch menschlichen Sohnemann nun einen ebenfalls allmächtigen Halbgott macht, somit den Zuschauern der sterblichen Seite von Quill beraubt, der dem Zuschauer einen besseren Bezug zur Figur im ersten Film erlaubte, bis hin zu sich widerholenden Sternenschlachten mit den immer gleichen goldenen Plagen des Weltalls, die wegen ein paar Batterien beleidigt und hirnrissig einfach mal eben ihre komplette Streitmacht in sinnlosen Schlachten gegen ein einziges Schiff opfert. Eine Spur Ironie zu viel, wie wir fanden. Versteht mich nicht falsch, GotG – Vol. 2 ist ein unterhaltsamer, selbstironischer Streifen, der für zwei Stunden Hirn-Aus-Action hervorragendes Popcorn-Kino bietet, doch darüber hinaus wagt der Film an zu vielen Stellen nicht über seinen stilistischen 0-8-15-Schatten hinauszuspringen, was schade ist. Denn das Potential dazu war definitiv gegeben.
Die emotionalen Komponenten des Films wirken leider oftmals zu sehr aufgesetzt und an gewissen Stellen omnipräsent oder gar völlig fehlplatziert. Vater-Sohn-Themen wie Verlust, Identität und Loyalität sowie das familiäre Gefüge und Zugehörigkeitsgefühl in der Gruppe werden verstärkt bzw. erzwungen lieblos und dröge in den Fokus gestellt, was eine echte emotionale Anteilnahme des Zuschauers an den geplagten Figuren nur schwerlich zulässt und damit ungewollt das ohnehin unwohle Gemisch des Empfindens in die falsche Richtung zu drängen versucht. Denn selbst wenn man es denn mal versucht, sich dem einen großen Moment hinzugeben, den Zugang zu den Figuren finden und zu ergründen, folgt alsdann auch gleich die nächste Actioneinlagen, die dem Moment den Rang abläuft, sich sofort wieder in den Vordergrund zwängt, dabei stark an der vorherigen orientiert und somit die Ideenlosigkeit der Autoren zweifelsfrei aufdeckt genau hier nachhaken zu müssen. Die Nebenfiguren wirken leider angesichts der bekannten Vorbilder der vergangenen MCU-Filme platt und uninteressant, was insbesondere dadurch deutlich wird, dass Sylvester Stallone gleich zu Beginn als einer der ersten Namen groß angepriesen wird, letztendlich dann aber gefühlt nur 10 Sekunden Screentime eingeräumt werden. Auch das Fehlen eines eindeutig zuordbaren Oberbösewichtes gleich zu Beginn trägt viel zu der Verwirrung bei, die zwar gekonnt durch den Humor überspielt, letztendlich jedoch das eine oder andere Fragezeichen über den Köpfen der Zuschauer aufkommen lässt. Fragen wie: „Ich bin Groot?“ (Übersetzung: „Worum geht es jetzt hier eigentlich?“) oder „Ich bin Groot?“ (Übersetzung: „Warum reicht mir der Typ denn schon wieder den Popcorn-Eimer mit dem Loch im Boden?“) können in der ersten Stunde schlichtweg einfach nicht beantworten. Und wenn man aus dem Kino kommt, ist die Handlung entweder mit zwei Sätzen erklärt, man hat es nicht gecheckt oder das Erlebnis ist durch den Overkill schon beinahe völlig vergessen, weil keine richtige einprägsame Szene haften bleiben will. Es kann ganz klar gesagt werden, dass der Vorgänger hier definitiv mehr Qualitäten zu bieten hatte und dementsprechend auch eine gewisse Erwartungshaltung für die Fortsetzung geschürt hat, die aus unserer Sicht nicht vollends bestätigt werden konnte. Aber sei es drum.
Jetzt liest sich die ganze Review natürlich rein negativ, was den Film definitiv nicht zu einem Totalausfall deklarieren soll. Doch der Zuschauer sollte im Vorfeld wissen, dass er die Erwartungen vielleicht nicht allzu hoch ansetzen und eher neutral das Spektakel eigens für sich erleben und neu entdecken sollte. Natürlich ist Guardians of the Galaxie – Vol. 2 ein gelungener Spaß für jede Altersgruppe und auch wir freuen uns selbstverständlich über eine Fortführung des Franchise, die vielleicht mit Vol. 2 etwas zu früh um die Ecke kam.
Fazit: Kino lohnt sich, aber definitiv nicht die beste Marvel-Verfilmung der vergangenen 10 Jahre. Dennoch werdet ihr ganz sicher euren Spass insbesondere mit Groot und Rocket haben, auch wenn die 3D wieder so manchen Moment kaputt gemacht hat.
So, zu den Einzelwertungen:
Darstellerleistung: 6/10
Charakterzeichnung: 6/10
Story: 5/10
Spannung: 7/10
Humor: 9/10
Effekte: 9/10
Härtegrad: 6/10
Setting: 8/10
Soundtrack: 9/10
Twist-Rating: 5/10
Rundum: 7,0/10 Punkten
HaVe FuN