Logan – The Wolverine

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Logan – Movie-Game-HD Review:

Pkt.: 7,3/10

Vorab: Keine traditionelle Comicverfilmung, sondern ein modernes Western-Märchen im Stil von The Last of Us und The Road.

Er ist alt. Er ist müde. Er ist schwach. Adjektive, die man im X-Men Universum nie mit dem Helden Logan alias The Wolverine in Verbindung bringen würde. Denn bekanntlich, mit einem Hauch Unsterblichkeit versehen, weiß jeder treue Kinogänger spätestens seit den zurückliegenden X-Men Filmen welch unglaubliche Fähigkeiten der Figur inne wohnen. Und genau das könnte bei Logan für viele zum Problem werden.

Denn Logan ist, wie die Figur selbst, nicht wie seine Vorgängerfilme. Wir bewegen uns abseits von futuristischen Outfits, Gadgets und traditionellen Sci-Fi Elementen, welche die Spielfilmreihe als Eye-Catcher prunkvoll präsentiert hatten. Logan funktioniert überraschend anders… und zwar sowohl auf emotional ruhigerer wie auch dramatischer Ebene. Denn anders, als zu den glorreichen Zeiten, gelten im Jahr 2029 sowohl Professor Charles Xavier als auch Logan selbst als gefallene bzw. gestrandete Helden, die auf der Suche nach der Flucht vor sich selbst irgendwo verloren gingen. Vieles erinnert an einen dreckigen Western oder post-apokalyptischen Desert-Survival-Streifen, der sich rein auf das Schicksal seiner wenigen Protagonisten konzentriert statt einen visuellen Overkill zelebrieren zu wollen.

Wir waren überrascht, wie tief die Beziehung zwischen den beiden Charakteren in der Neuinterpretation eines düsteren Marvel-Universums zu gehen scheint. Eine zerrüttete Vater-Sohn Geschichte, in der beide ihre indirekten Rollen zu leben und zu akzeptieren scheinen und die mit einer vermeintlich angespannten Vater-Tochter Storyline fortgeführt bzw. weiterentwickelt wird. Gespickt mit vielen emotional packenden Höhepunkten und einem wandlungsfähigen und überzeugenden Hugh Jackman sind uns insbesondere diese Momenten bis zum dramatischen Finale fest in Erinnerung geblieben. Auch Patrick Stewart beweist sich einmal mehr als einer der hingebungsvollsten Charakterdarsteller unserer Zeit und mimt den von geistigem Zerfall geplagten Propheten mit Bravo. Beide dominieren das Spiel allerdings so sehr, dass andere Figuren sowie die dürftig zusammengesetzte Story dabei mehr oder weniger auf der Strecke bleiben und hinter diesen beiden Größen völlig verblassen.

Und jetzt, liebe Freunde… zu guter letzt… jetzt holen wir mal ganz stark in Richtung Härtegrad aus und stellen mal ganz offen und unverblümt die These auf, dass das Prüfungskomitee der FSK bei ihrer Vergabeentscheidung entweder nicht so ganz nüchtern oder das ein oder andere Auge ganz und gar geschlossen gewesen sein musste. Denn vergleichen wir den jüngst veröffentlichten John Wick 2 (der mit einer Freigabe ab 18 bewertet wurde) mit Logan, dann Pardon, zieht John Wick an vielen Stellen in Sachen „Härte“ hier eindeutig den Kürzeren. Es wird gemetzelt, es werden am laufenden Band Gliedmaßen geschnitten, aufgespießt, abgetrennt oder völlig auf- und weggesprengt, ohne es dabei nur andeuten zu wollen, sondern um ein knallhartes Erwachsenenerlebnis zu schaffen. Wir waren (trotz der irrealen Comicthematik) verblüfft, dass einem jüngeren Publikum hier mit einer FSK 16 der Weg ins Kino geebnet wird, während diesen in den eher gewalttolleranteren USA mit dem R-Rating tatsächlich dieser Weg verwehrt bleibt. Tatsächlich die Überraschung des Abends.

Nun zum Fazit: Logan wirkt anfangs befremdlich und ggfls. nicht ganz wie erwartet, doch der Film macht direkt zu Beginn deutlich, dass neue Wege nicht immer falsch sein müssen. Wir finden Logan, für sich als Stand-Alone, ist trotz einiger Überlängen gutes und unterhaltsames Popcorn-Kino. Wer jedoch eine eher traditionellere Comicverfilmung erwarten sollte, sollte eher auf das passende Heim-Kino-Medium warten und Logan bei einer Flasche Rotwein und einem Big-Mac genießen.

So, zu den Einzelwertungen:

Darstellerleistung: 8/10
Charakterzeichnung: 8/10
Story: 6/10
Spannung: 7/10
Humor: -/10
Effekte: 8/10
Härtegrad: 10/10 (Angesicht FSK 16)
Setting: 6/10
Soundtrack: 7/10
Twist-Rating: 6/10

Rundum: 7,3/10 Punkten

HaVe FuN

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