Hacksaw Ridge

hacksaw

Movie-Game-HD-Review

Pkt.: 10/10

Vorab: Ein genreübergreifendes Meisterwerk, das die vielseitigen Ansprüche seiner konventionellen Zuschauer zu übertreffen und entgegen dem Mainstream-Kino zu überraschen weiß.

Hacksaw Ridge ist nach geschlagenen 10 Jahren (Apocalypto) das erste Regieprojekt seitens Hollywood-Star Mel Gibson, der in dieser Funktion bereits ab den 90er Jahren sowohl kommerziell sehr erfolgreiche wie auch inhaltlich packende „Must-See“-Werke wie The Passion Of The Christ und Braveheart für Jedermann schuf. Danach ist es um den mittlerweile ergrauten Erfolgs-Träger relativ ruhig geworden, war er durch seine ständigen Eskapaden und Skandale in Hollywood schlagartig für viele in Ungnade gefallen. Doch jetzt ist er zurück und das (verdient) für 6 Oscars nominierte Werk erfreut weltweit Kritiker und Zuschauer zugleich.

Auch wir sind mehr als begeistert.
Zugegeben, als wir den ersten Trailer sahen und die einschlägigen Worte des Protagonisten hörten „Gott, lass mich bitte noch einen retten“, da hätte man durchaus im ersten Moment meinen können, „Oh nein… bitte nicht noch so ein oberflächliches, naiv-kitschiges, patriotisches „Wir lieben uns selbst“ Szenario … ahhhhhh“. Tja, wie kreativ Hollywood „wahre Begebenheiten“ in filmischen Umsetzungen gerne mal ausschmückt, muss an dieser Stelle keine große Erwähnung finden, aber soviel: Wir lagen mit beinahe allem falsch, was unsere Erwartungen anging. Denn der Film ist nicht nur vielschichtig, technisch sowie inhaltlich handfest und mit einer Liebe zum Detail von Darstellern und Crew in Szene gesetzt sondern in erster Linie eins: ein Meisterwerk.

Der ganze Film kann grob in 2 Teile und ca. 4 Sub-Genres unterteilt werden.Der erste Teil beschäftigt sich mit der Vorgeschichte, dem Zivilisten Desmond Doss, der in Ausübung seines Glaubens zufällig die Liebe seines Lebens kennenlernt und dabei immer wieder mit vielen familiären Konfliktsituation umzugehen lernt. Von unterschiedlichen Erfahrungen geprägt trägt dieser anschließend seine Überzeugungen in das Ausbildungslager der US-Army, wo Doss sich einem von Intoleranz untermauerten und falschen Wertvorstellungen geprägten System entgegenstellt sieht und für diese bis zuletzt einstehen muss. Gespickt mit hervorragend gespielten Drama-Elementen (insbesondere Hugo Weaving als traumatisierter, alkoholabhängiger Vater ist hier hervorzuheben), einer Priese annehmbarer und durchaus unterhaltsamer Liebesschnulze sowie stets zündenden humoristischen Einlagen, setzt Mel Gibson zu Beginn des Films eindeutige Akzente zu einem ernsthaften Entwicklungs- und Zusammenspiel von handfesten Charakteren und einem stetig anhaltenden realitätsnahen Kriegstrauma innerhalb einer ermüdenden amerikanischen Gesellschaft, dass zu keinem Zeitpunkt Langeweile und pure Begeisterung aufkommen lässt. Wir haben gelacht, wir haben gebangt. Wir wollten mehr.

Und wir bekamen mehr.
Der zweite Teil und damit das letzte Sub-Genre manifestierte sich uns in einer brachialer Bildersprache und Bildgewalt. Hineingeworfen in das Kriegsgebiet Japans, auf dem Gipfel des Hacksau Ridge, zieht Mel Gibson die Zügel schlagartig fester an, als es die FSK eigentlich, aus unserer Sicht, hätte bewerten dürfen. Die Freigabe ab 16 wird nämlich im vollen Zuge ausgereizt und dürfte sich im Bereich des darin Vertretbaren durchaus am oberen Grenzwert zu nicht geringem Gore-Einsatz befunden haben. Dass Krieg unbarmherzig und grausam ist, lehrt uns nicht nur die Geschichte, sondern auch das Medium Film selbst. Und manchmal ist es nur ein schmaler Grad zwischen der Wertung „reißerisch inszeniert“ und „essentiell notwendig“. Wenn man also Parallelen bzw. Vergleiche ziehen müsste, muss man durchaus sagen, dass der Gewaltgrad von Hacksaw Ridge überraschenderweise den von Saving Private Ryan (Strandszene) deutlich übertrifft. Es wird zerfetzt, es wird geballert, es wir gesprengt. Die Gedärme liegen blank. Es wird wirklich alles schonungslos offengelegt. Sowohl menschliche Abgründe als auch menschliche Gliedmaßen. Es ist ein schonungsloses Gemetzel.

Und tja, mittendrin immer wieder Desmond Doss. Der ohne den überheblichen, wohlbekannten Patriotismus auskommt, tragisch durch die Geschehnisse führt, oft gar selbst an seiner eigenen Naivität zu scheitern droht. Der uns nie als zu glorifizierender Held, sondern eher bescheiden und zurückhaltend präsentiert wird.

Leute, um es mal verkürzt zu sagen. Wir geben selten 10/10 Pkt., weil es oft immer einen Faktor gibt, der zu kritisieren wäre oder der im Kontext des Werkes nicht so stimmig scheint, dass man guten Gewissens die volle Punktzahl rechtfertigen könnte. Aber verglichen mit vielen Werken, die wir selbst als „Unantastbar“ bezeichnen würden und eigene Maßstäbe setzten (Saving Private Ryan, Black Hawk Down), müssen wir sagen, dass Hacksaw Ridge sich getrost und ohne jede Zurückhaltung bei diesen einreihen kann und es verdient, das Maß an Beachtung zu erhalten, die ihm gebührt. Wir versprechen: Ihr werdet nicht enttäuscht sein. Enttäuschend ist hingegen mit anzusehen, wie sich solch ein hervorragender Film deutschlandweit überwiegend in kleineren Kinosälen oder zu recht fragwürdigen Zeiten seine Sporen verdienen muss und somit nur begrenzt dem interessierten Kinogänger zur Verfügung gestellt wird.

Leute: Unbedingt (im Kino) anschauen!

So, zu den Einzelwertungen:

Darstellerleistung: 10/10
Charakterzeichnung: 10/10
Story: 10/10
Spannung: 9/10
Humor: 7/10
Effekte: 9/10
Härtegrad: 8/10
Setting: 10/10
Soundtrack: 9/10
Twist-Rating: -/10


Rundum: 10/10 Punkten
Have fun

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